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Brillenfassungen aus Maßen

Eine Fassung ist kein Freiformobjekt, sondern eine Menge von Maßen, die zusammenpassen müssen: Scheibenform, Stegbreite, Bügellänge, Vorneigung, Gesichtsformwinkel. Wenn das alles Zahlen sind, kann man es auch rechnen lassen — und dann ist eine zweite Fassung in anderer Größe kein neues Projekt, sondern ein zweiter Lauf.

Rendering einer generierten Brillenfassung in Havanna-Braun, Dreiviertelansicht
Gerendete Brillenfassung von vorn: runde Gläser, ein Sattelsteg zwischen den Ringen, die Backen laufen nach außen in die Scharnierflächen
Dieselbe Form, nur andere Zahlen: Scheibengröße, Stegbreite und Backenverlauf sind Parameter, keine gezeichneten Linien.

Was der Generator ausgibt

Am Ende eines Laufs liegt nicht nur eine Druckdatei im Ordner, sondern alles, was die Kette danach braucht: STL und 3MF für den Druck, STEP für jede weitere CAD-Arbeit, und — das ist der Teil, den Leute oft vergessen — die Glasform im Branchenformat. Eine Fassung ohne Scheibenform ist für eine Optikerin nur ein Stück Kunststoff; mit der OMA-Datei kann sie direkt schleifen.

Dass die Fassung von mir kommt und das Glas von der Optikerin, ist Absicht und keine Lücke. Eine fertig verglaste Brille wäre ein Medizinprodukt mit allem, was daran hängt. So kauft man die Fassung bei mir und geht damit zu der Optikerin oder dem Optiker des Vertrauens.

Die Druckregeln stehen im Code, nicht im Kopf

Der SLS-Dienstleister hat Regeln: Mindestwandstärke, Mindestabstand zwischen Flächen, Mindestdurchmesser für Bohrungen. Die stehen hier nicht in einer Checkliste, sondern als Prüfung im Generator. Eine zu dünne Stelle meldet sich beim Bauen — nicht erst, wenn der Drucker den Auftrag ablehnt oder, schlimmer, das Teil bricht.

Genauso die Optikerregeln: Sattelsteg statt aufgesetzter Pads, Vier-Punkt-Auflage, Bügel im rechten Winkel zur Front. Das sind keine Geschmacksfragen, sondern das, was eine Fassung tragbar macht.

Dieselbe Fassungsfamilie in eckiger Form, schräg von vorn: die Bügel sind aufgeklappt und laufen in einer weichen Welle nach hinten
Eine andere Form aus demselben Generator. Was sich ändert, sind Parameter — nicht der Entwurf.

Was das Werkzeug dabei gekostet hat

Der CAD-Kern hat in diesem Projekt zweimal still gelogen, und beide Male hat es Tage gekostet:

  • Koplanare Flächen machen den Körper ungültig. Ein Anbauteil, das genau auf der Frontfläche aufsetzt, ergibt ein Solid, das sich zwar bauen lässt, aber ungültig ist. Danach scheitert jede Vereinigung still — das Volumen ändert sich einfach nicht — und jede Boolean-Operation wird achtmal langsamer. Seitdem überlappen Anbauteile mindestens einen Millimeter, und der Generator bricht bei ungültigem Körper ab.
  • Eine gespiegelte Kontur dreht ihren Umlaufsinn um. Die Fläche bekommt dadurch die andere Normale, und die Vereinigung verbindet die beiden Hälften nicht mehr. Nach dem Spiegeln muss die Punktliste umgekehrt werden.

Beides ist nirgends dokumentiert. Gefunden wurden sie nur, weil nach jedem Schritt das Volumen nachgemessen wird statt der Erfolgsmeldung zu glauben.

Womit verglichen wird

Eine selbst gebaute Fassung sieht im Rendering immer gut aus. Deshalb läuft gegen die Maße bekannter Modelle aus dem Fachhandel ein Abgleich — und der Sehvergleich am Bild gehört dazu, nicht nur die Zahlen. Eine Geometrie, die alle Prüfungen besteht und trotzdem komisch aussieht, ist nicht fertig.