Vom Scan zum Bauteil
Bronzekreuz aus 91 Handyfotos
Ein Objekt mit dem Telefon zu umrunden und daraus ein Modell zu rechnen, funktioniert erstaunlich gut — solange man weiß, was dabei nicht herauskommt. Der Maßstab zum Beispiel.


Was die Fotoserie hergibt — und was nicht
Vor der Rechnung steht die Frage, ob das Material überhaupt taugt. Gemessen wurde zweierlei: die Schärfe je Bild, und zwar nur im Objektbereich, nicht über das ganze Bild — und die Abdeckung, also ob rundherum genug Blickwinkel dabei sind. Bei der ersten Serie waren 11 von 12 Sektoren besetzt, die einzige Lücke 30 Grad breit.
Das Schärfemaß wurde vorher gegen künstlich unscharf gemachte Bilder geprüft. Ein Maßstab, der einen eingebauten Fehler nicht findet, misst nichts — das ist hier Pflicht, bevor eine Zahl in einen Bericht kommt.
Nicht hergegeben hat die erste Serie die Rückseite: das Kreuz lag flach auf. Das ist keine Schwäche des Verfahrens, sondern eine Folge der Aufnahme.

Zwei Serien, ein Lauf
Später kamen 62 weitere Fotos derselben Vorlage dazu. Dass sich beide Serien in einem Lauf rechnen lassen, war nicht selbstverständlich — das Kreuz lag zwischendurch neu auf. Es geht, weil die Merkmale auf dem Gussrelief sitzen und nicht auf der Unterlage.
Mit allen 91 Bildern verdreifachen sich die Landmarks und die dichte Punktwolke, der Reprojektionsfehler bleibt praktisch gleich. Und ein Nebeneffekt, der mehr wert ist als die Zahlen: der Tisch verschwindet fast vollständig. Mehr Blickwinkel haben die Tischebene widersprüchlich gemacht, das Kreuz dagegen verdichtet.
Vom Netz zum Relief
Für die Lasergravur wird kein Netz gebraucht, sondern eine Höhenkarte in Millimetern. Die wird direkt aus dem Netz gerechnet, je Rasterzelle das größte z — das trennt Ober- von Unterseite, ohne sich auf Normalen zu verlassen. Die taugen hier nämlich nicht: von über einer halben Million Punkten hatten nur 406 eine Normale nach oben.
Und der Punkt, an dem Photogrammetrie wirklich hängt: sie liefert die Form nur bis auf einen Faktor genau. Wer am Ende Millimeter braucht, muss etwas Bekanntes mit im Bild haben.